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Barockbildhauerei in Manětín
Die Stadt Manětín und seine Umgebung werden durch umfangreiche Statuenkolektion aus Zeitabschnitt 1680-1780 charakterisiert – es wurden mehr als 30 Barockstatuen und –Statuengruppen erhalten. Die erfolgreiche Tradition der hiesigen Bildhauer wurde von Štěpán Borovec (1672-1719) gegründet, der nach dem Wunsch der Familie Lažanský im Prager Werkstatt von Brokof als Lehrling mitwirkte. Sein Meisterwerk ist vor allem die dem Platz dominierende Statuengruppe der Heiligen Dreifaltigkeit (1719). Dieser Bildhauer liess jedoch das Werk unvollendet und so erst seine Nachfolger verwirklichten diese Statuengruppe. Heute steht ihre Sandsteinkopie auf dem Platz, die in 1998-2000 der akademische Bildhauer Jiří Novák aushaute.
Die Werke von Borovec sind auch zwei Statuen Christus mit Dornenkrone und Pietät in den Nischen der Zaunmauer des ehemaligen Friedhofs an der Johann-des-Täufers-Kirche. Diese Statuen enstanden wahrscheinlich in 1713-1714, den Christus bestellte der Hofarzt der Familie Lažanský, Jeroným Tichý, die Pietät bestellte Manětíner Bürgerin und Gastwirtin Alžběta Omlerová. Štěpán Borovec sollte auch an der Pfarrkirche stehenden Johann den Täufer aushauen.
Bestandteil der Platzdekoration sind auch zwei Brunnen in Form drei Blätter. Die Statue des beliebten Landpatrons, des Heiligen Wenzel, steht an der Kantensäule in der Mitte des Ostbrunnen. Den Westbrunnen schmückt die Statue des Heiligen Florian im römischen Soldatenanzug. Beide Statuen stammen aus der Werkstatt von Josef Herscher (1688-1756), der weiteren bedeutenden Persönlichkeit von Manětíner Barock.
Die Herscher´s Meistestücke sind auch die vor dem Schloss auf dem Ziegelzaun stehenden Allegorien vier allgemeinen und drei christlichen Tugenden aus 1730-1740. In der Richtung von der Kirche handelt es sich um Gerechtigkeit, Tapferkeit, Glauben, Liebe, Hoffung, Bedachtsamkeit und Gelassenheit. Das ausserordentliche Bildhauerwerk ist Allegorie der Liebe, die als Wiege genannt zu werden pflegt. Die in der schmucklosen Kleidung angezogene junge Frau, die in der Wiege mit ihren vier Kindern sitzt, sollte nach der Tradition Marie Gabriela mit ihren Söhnen und Töchtern sein. Die Gruppe der Tugenden wird mit einer Mädchenfigur vervollständigt. Sie steht auf der beflügelten Weltkugel in der westlichen Platzecke. Sie wird häufig als Glück benannt.
Auf der nördlichen Terassenseite befinden sich vier Statuen, die verschieden alt sind und verschiedene Herkunft haben. Die Allegorien Sommer und Winter werden von Herbst (Hypnos) und Hygäia (Aesculap) nachgetragen.
Die an der Kirche stehende Heilige Otilia (1760) mit Augen in der Schüssel kommt aus einer Werkstatt der jüngeren Bildhauergeneration - Václav Borovec (1705-1767) oder Václav Herscher (1729-1795).
Der Platz wird weiter mit einer Reihe der Barocksandsteinvasen aus der Werkstatt von Josef Herscher dekoriert, die abwechselnd mit Pflanzen- und Maskarondekor (weibliche und männliche Gesichter) beschmückt sind.
Die einzige Statue, die aus dem 20. Jh. stammt, ist die Figur des Heiligen Karl von Boromeo mit Medaillon von Karel Lažanský (1918), die in der Nische in der nördlichen Schlossmauer nicht weit vom Eingang in den Wirtschaftshof steht. Ihr Autor ist der akademische Bildhauer Čeněk Vosmík (1860-1944).
Der Hohe über dem Manětíner Bach führende Weg verband die eigene Stadt und eine Ortschaft in der Umgebung der Kirche der Heiligen Barbora. Er wurde mit vierzehn Statuen der Heiligen in der Überlebensgrösse aus der Werkstatt von Josef Herscher in 1728-1734 bestückt.
Der Heilige Joseph mit Jesukind (1733), der Pflegervater Christi, steht als der Erste an der rechten Seite in der Richtung von der Stadt zur Kirche der Heiligen Barbora. Die Statue liess František Josef Černín anstellen, Vetter von Marie Gabriela Lažanská, ein bedeutender Barockmäzen. Gegenüber steht die Statuengruppe der Heiligen Anna mit der Jungfrau Maria (1732). Die Patronin des Familienlebens und der Liebe wurde von Isabela angestellt, geborener Markise von Westerloo und Gräfin von Merode, die František Josef Černín in 1717 heiratete.
Weiter folgen die Schutzpatronen gegen Pest. Der an der rechten Wegseite angestellte Erste ist der Heilige Fabian (1734), ein Papst aus der Mitte des dritten Jahrhunderts. Gegenüber fesselt uns ein ausgezeichnetes Bildhauerwerk, der Heilige Sebastian (1729). Dieser frühchristliche Märtyrer gehört zu den bestbewerteten Werken von Josef Herscher, besonders für seinen ausdruckvoll modellierten Leib. Die Statuen der Heiligen Sebastian und Fabian entstanden im Auftrag der Bürger von Manětín.
Die weiteren Schutzpatronen gegen Pest auf dem Hohen Weg sind der Heilige Rochus (1733) und die sizilianische Eremitin Heilige Rosalia (1732). Die Statue der Heiligen Rosalia liess Josefa anstellen, Tochter von Marie Gabriela Lažanská, vor ihrem Heirat mit Grafen Pötting. Bereits im nächsten Jahr liess Ehepaar Václav und Marie Josefa Pötting weitere Statue anstellen, den Heiligen Rochus. Ihr Original wurde von einem Fuhrwerk niedergerissen und heute steht sie in der Barborakirche. Auf dem Hohen Weg steht ihre Nachahmung.
In der Mitte des Hohen Wegs stehen Statuen Ecce homo (1729) und schmerzhafte Jungfrau Maria (1734). Christus mit Dornenkrone und Schilfzweig hat einen schmerzhaften Ausdruch. Mater Dolorosa hat gefaltete Hände und einen Schwert im Herzen. Anstellerin dieser Statuen war selbst Marie Gabriela Lažanská, Besitzerin der Herrschaft von Manětín.
Es folgen die Schutzpatronen gegen Unwetter und Wassergewalt, die heiligen Bischöfe, rechts Donat (1728) und links Benno (1733). Ihre Statuen bestellten die Herrschaftsbeamten, Schlosshauptmann František Ferdinand aus Michalovice und Herrschaftsinspektor Jan Kryštof Hossner.
An der Brücke über dem Manětíner Bach stehen Schutzengel und Erzengel Michael in Vollrüstung seit 1733. Sie wurden von den Söhnen der Gräfin Marie Gabriela angestellt. Der erstgeborene Sohn Maxmilian bestellte den Erzengel Michael als 23jähriger künftiger Erbe der Herrschaft von Manětín. Sein Bruder Karel bestellte den Schutzengel.
Auf dem Weg zu Brdo stehen die böhmischen Landpatronen, Johann von Nepomuk (1728), ein in der Barockzeit sehr beliebter Heiliger, und die Heilige Ludmila (1728). Sie gehört zu den ersten Werken von Herscher, und trotzdem geht es um eine sehr hochwertige Barockstatue. Sie liess Anna Marie Lažanská, Tochter von Marie Gabriela, aushauen.
Neben dem Friedhofeintritt steht noch eine Statue von Johann von Nepomuk. Die gehört jedoch nicht zu dieser Kollektion. Sie wurde hierher aus Doupov in 1966 hergebracht, aus der Militärzonenstadt, in der sie auf dem Platz seit 1731 stand.
Auf dem Friedhof sieht man zuerst die Heilige Barbora (1744), nicht nur die Patronin der Bergleute, sondern auch Beschützerin gegen plötzlichen Tod und Patronin des guten Todes. Die erste Erwähnung von ihr gibt es seit 1744, in diesem Jahr wurde sie und auch alle anderen Statuen von Manětín ausgeweiht.
Am Rande der Stadt in der Richtung nach Pilsen steht Statue des Heiligen Raimund. Sie stand ursprünglich auf dem alten Pilsner Weg. Der Wappen der befürsteten Äbtissin Marie Gabriela Lažanská auf der Ecksäule datiert diese Statue nach 1738. Auf dem Weg nach Stvolny steht Statue der Heiligen Immaculata (nach 1738), wieder von Marie Gabriela Lažanská angestellt. Am Westrand der Stadt in der Richtung nach Nečtiny, über der Dersiebschen Mühle, steht der Heilige Martin (1769) und der Heilige Adalbert (1767) von Václav Ondřej Herscher. Früher stand der Heilige Adalbert hinter Manětín am Weg nach Nečtiny und der Heilige Martin an der älteren Weg nach Nečtiny am Ort genannt „über Scheunen“.







